| Die HEC Paris - Elite Made in France |
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| Geschrieben von: Jasper Graf von Hardenberg | |||||||||||||||||||||||||||||
| Sonntag, den 13. Juni 2010 um 19:04 Uhr | |||||||||||||||||||||||||||||
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Die HEC Paris ist dort, wo die HSG hin will. Sie steht an der Spitze des renommierten Financial Times Business School Rankings. Auf ihrer Website wirbt sie mit einem durchschnittlichen GMAT ihrer Studenten von 720 Punkten und ihren vielfältigen Partnerschaften. Doch es stellt sich die Frage was denn eigentlich in Paris so anders läuft als an der HSG. Immerhin hat die renommierteste deutschsprachige Universität für Betriebswirtschaftslehre auch einiges zu bieten.
Nach Abschluss des Baccalauréat (Matura) stehen den französischen Abiturienten grundsätzlich zwei Wege offen, um ein Hochschulstudium an einer Grande École zu absolvieren. Entweder sie beginnen mit einem Bachelor Studium an einer französischen oder ausländischen Universität, oder sie begeben sich für zwei Jahre in eine Classe Préparatoires die auf die Aufnahmeprüfung an einer Grande École vorbereitet. Gehört man zu den etwa fünf Prozent Glücklichen, die sich nach zwei Jahren Classe Préparatoires für ein Studium an der HEC qualifizieren, belegt man ein dreijähriges Masterstudium. Nach der Masterarbeit und mehreren Praktika, die insgesamt mindestens 40 Wochen umfassen müssen, qualifiziert sich der Student für den akademischen Abschluss. Viele Studenten der HEC unterbrechen das Studium für ein Jahr, um diese Praktika zu absolvieren.
Hat sich der Abiturient für ein Bachelor Studium in Frankreich oder im Ausland entschieden, so hat er auch die Möglichkeit, sich direkt nach diesem Bachelorstudium an der HEC direkt zu bewerben. In diesem Fall steigt der zukünftige Student direkt ins zweite Jahr des dreijährigen Masterprogramms ein. Jedes Jahr werden etwa 200 Studenten an der HEC aufgenommen, die sich direkt beworben haben, während ca. 400 aufgenommen werden, welche die Classes Préparatoires belegt haben. Zusätzlich bestehen noch etliche spezialisierte einjährige Masterprogramme, für die eigene Aufnahmebedingungen gelten.
An der HEC trifft man auf eine sehr internationale Studentengemeinschaft von mehrheitlich intelligenten, interessierten und unterschiedliche Studenten. Gerade die Studenten die durch die Classe Préparatoires gegangen sind haben häufig eine sehr gute Allgemeinbildung in den unterschiedlichsten Bereichen. Die direkt aufgenommen Kandidaten hingegen zeichnen sich durch ihren reichen Schatz an Erfahrungen aus, die sie während ihres Bachelors machen konnten.
Das Studentenleben an der HEC ist deutlich gemeinschaftlicher und improvisierter als an der HSG. Das liegt auch daran, dass die HEC eine Campus Universität ist. Ungefähr 1‘000 Studenten wohnen direkt auf dem Campus in gut ausgestatten Zimmern mit eigenem Telefon, Bad und Internetverbindung. Obwohl das Vereinsengagement an der HEC wie auch an der HSG eine grosse Rolle spielt, wird auf die an der HSG so vielbeschworene Professionalität nicht besonders geachtet. Man ist Student und benimmt sich dementsprechend. Die Studentenpartys, die jeden Donnerstag steigen, finden nicht etwa in einem der ausgezeichneten Pariser Clubs statt, sondern in einem grossen Saal direkt an der HEC. Der Eintritt kostet normalerweise nur 5 Euro und alle Getränke sind umsonst. Hier zeigt sich dann regelmässig warum Knappheit eine wichtige Eigenschaft von Märkten ist, denn die vollen Bierbecher, die häufig durch den Raum fliegen würde es bestimmt nicht geben wenn das Bier einen Preis hätte.
Der Unterricht an der HEC ist gut, jedoch häufig für Studenten die BWL schon im Bachelor belegt hatten, nicht besonders anspruchsvoll. Dafür sitzt man im Strategie Kurs auch schon mal neben jemanden der im Bachelor Latein und Altgriechisch studiert hat, was ganz andere Perspektiven in den Unterricht bringt. Für Irritationen sorgt häufig die Verwaltung der HEC, deren Effizienz bedauerlicherweise nicht an die der HSG heranreicht. Informationen werden zu spät herausgegeben, Kurse kurzfristig geändert und Dokumente gehen verloren. Dies hat jedoch auch Vorteile. Verpasst man selbst einmal eine Deadline, ist das kein Problem. Man schiebt die Schuld einfach auf die Verwaltung und das wird in der Regel auch akzeptiert.
Während an der HSG die Reibereien zwischen den Schweizer Studenten und den durch die Aufnahmeprüfung aufgenommenen ausländischen Studenten häufig für Gesprächsstoff sorgen, ist es an der HEC die Rivalität zwischen den Studenten von den Classes Préparatoires und den direkt aufgenommenen Studenten. Beide Gruppen fühlen sich der jeweils anderen überlegen und drücken dies unter Alkoholeinfluss auch gerne lautstark aus. Alles in allem gibt es weit mehr verbindendes zwischen HSG und HEC als das sie trennt. Beide Hochschulen bieten eine erstklassige Managementausbildung in einer anregenden und inspirierenden Umgebung und beide Hochschulen könnten durchaus viel voneinander lernen. Einen Vorteil hat die HEC jedoch auf jeden Fall. Der Frauenanteil liegt bei fast 50 Prozent.
Alle Daten sind den Websites der HEC Paris und der Universität St. Gallen (HSG) entnommen.
Jasper Graf v. Hardenberg, B.A. HSG, absolviert seit seinem Abschluss an der HSG ein Masterstudium an der Haute École Commerciale (HEC) in Paris. Er hatte im Jahr 2007 die Jahrespräsidentschaft des Vereins AIESEC inne. Jasper Hardenberg ist Präsident der von AIESEC St.Gallen gegründeten St.Galler Stiftung zur Förderung studentischer Aktivitäten. |
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Juni 2010 um 09:50 Uhr |