| Was steckt hinter dem AC? |
| 4. AUSGABE // 1. APRIL 2011 - Life@HSG |
|
LIFE@HSG von Ralph S. Karg
Eine Strasse, viele Bäume... ja, das ist eine Allee. Ein Präsident, viele Deutsche.... ja, das ist der AC. Doch wer glaubt es stecke nicht mehr hinter diesen bedeutenden zwei Buchstaben, der hat die ganze Sache nicht verstanden. Eine Institution. Vielleicht sogar noch mehr. Je mehr ich mich mit dem Ausländerclub der HSG befasse, je mehr ich eintauche in die unendlichen Wirren des grossen AC, desto mehr verliere ich mich in seiner Eigendynamik und seiner Komplexität. Er kann viel. Und noch viel mehr als das. Geführt wird dieser Verein von einer Handvoll mit liebe selektionierte junger Damen und Herren. Zuckerbrot und Peitsche. Marc Bentz regiert diese Bestie. Der AC, eher vergleichbar mit einer cholerischen Hydra als mit einem züchtigen Verein. Der Vorstand wechselt sich so gut wie jedes Jahr komplett aus. Frischer Wind. Nach wie vor haben sie das feiern nicht verlernt. Wo AC draufsteht, ist Party drin. Oder zumindest ein Funken von „sich selbst nicht zu ernst nehmen“. Der Altvorstand schlägt den Neuvorstand vor. Gewählt wird er dann durch einfache Mehrheit auf der Mitgliederversammlung. Da wird das Zepter schon in die richtigen Hände gegeben. Stillstand ist dem AC fremd. Weiterentwicklung. Nur nicht stehen bleiben. Von Kamingesprächen ist die Rede, AC Alumni Bällen und vielen weiteren Anlässen, die allesamt dafür sorgen, dass dem AC sein Elite-Charme erhalten bleibt. Der AC will sich integrieren. Er wird von vielen als ausgesonderten Teil der HSG wahrgenommen. Doch dabei wird im unrecht getan. Er ist volksnah. So gesehen steckt doch in jedem von uns ein wenig AC. Er will Mitglieder akquirieren. Marketing. Interessiert ist er auch an den Austauschstudenten. Ausländerclub impliziert ja bereits eine gewisse Internationalität. Nomen est omen. Diese Internationalität wird auch auf dem Rasen gelebt. Insofern man sie überhaupt erst ausleben darf. Man erinnere sich nur an Situationen, in denen es im Ausland etwas eng wurde. Wie war das noch mal beim WHU-Euromasters Fussballturnier? Oder die Mailandfahrten? Ob Koblenz oder Mailand, hauptsache AC. Das zumindest dachte sich Herr Bentz. Recht hat er. Und sie sind am Start. Wie eigentlich immer. Vielleicht nicht mit soviel ernst, wie ihre Kontrahenten, dafür aber mit umso mehr Spass und Sportsgeist. Dabei sein ist alles. Doch es brauchte schon den Saarbrücker Charme, um die entzürnten Koblenzer bei der Stange zu halten. Klar, der Eindruck, den die Athleten beim letzten Mal hinterliessen, mag dem ein oder anderen eine Spur zu viel gewesen sein. Mit dem Gettoblaster in die Mensa zu spazieren und als Mittagsmenü die 10 Bierdosen auf dem Tablett zu haben kann schon so manchen Elite-Studenten irritieren. Auch der im Sitzkreis praktizierte Humba-Gesang hat bereits Verkehrswege lahmgelegt. Doch ist ein wenig Ablenkungen neben dem ganzen Unistress nicht genau das Richtige? Wir müssen ja schliesslich auch noch Leistung erbringen, hier an der HSG. Das Thema hierzu is wohl Humor. Doch eben dieser ist an Europas Eliteschmieden rar geworden. Wer es nicht lustig findet, hat es entweder nicht verstanden oder einfach keinen Feinsinn. Was beides ungefähr gleich tragisch ist. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und dabei wollte das Team in Wohnwagen nächtigen, was natürlich den Spassgedanken unterstrichen hätte. Doch nun hat man sich doch, wie alle anderen, für ein Übernachtungsetablissement entschieden. Sinnbildlich auch dafür, dass der Ausländerclub für alle zugänglich sein soll. Erschwinglich, eben. Oft ist weniger eben mehr. Doch der AC schafft mehr durch mehr. Mit seinem Engagement sieht man deutlich das Plus für die gesamte Universität. Wo doch so viele Hochschulen an solchen internationalen Sportveranstaltungen repräsentiert sind, würde unsere Uni lieber den Spiesserbürger raushängen lassen und gar nicht erst teilnehmen. Der AC vertritt wenigstens unsere sportliche Leistungsfähigkeit auf internationaler Ebene. Auch wenn sie noch nie ein Spiel gewonnen haben. Hier wird eher der olympische Gedanke gepflegt. Wir gewinnen ja schliesslich abseits des Rasens. Solange Bierbong, Olivenöl, Megafon und Gettoblaster die wichtigsten Reiseutensilien bleiben, wird sich daran wohl auch nicht grossartig was ändern. Aber wir lieben den AC nicht wegen seiner sportlichen Leistungsfähigkeit. Um den AC zu lieben, muss man ihn kennen. Und was wäre dafür prädestinierter als eine seiner legendären Partys? Die drei grossen sind die Erstsemester-, die Christmas- und die Bad-Taste Party. Letztere findet Ende April statt und gilt als gesellschaftliches Muss an der HSG. Für die einen ist es nur ein weiteres sinnloses Besäufnis. Für die anderen ist es schöner als Weihnachten und endlich wieder ein Grund sich zusammenzufinden. Für die meisten ist es beides. Bei einem Jahresbeitrag von 30 CHF sind die Eintritte auf besagten Feierexzesse selbstverständlich frei. Das rentiert. Da muss man kein Genie sein. Dienstags ab 21:00 Uhr ist Stamm in der Galleria. Für einige ein wöchentlicher Pflichttermin. Wem das zu früh ist, kommt mitternachts ins Locco nach. Doch wie gesagt, der AC bietet mehr. Die Mitgliederversammlung, Erstsemesterparty, WHU und Mailand, X-Mas-Party und zahlreiche legendäre Stämme haben wir bereits hinter uns. Schön war’s. Von betrinken war natürlich nie die Rede. Aber was nicht schadet, kann nur gut sein. Und dabei geht es bei den wenigsten Events um das Trinken. Es geht um etwas Höheres. Dieses Semester erwartet uns nicht nur noch die AC Skifahrt im März und die Pokermeisterschaft. Die AC Rallye am Dienstag, 26. April, sowie die Bad-Taste Party am Mittwoch, 27. April gehören zu den wichtigsten Ereignissen eines jeden waschechten AClers. St. Gallen wird brennen. Die letzte AC Rallye könnte uns noch länger in Erinnerung bleiben. Der angeheiterte Haufen wurde von einem Google-Auto gefilmt. Das könnte Karrieren zerstören. Aber falls es mit dem CEO nichts werden sollte, wird auch auf anderen Ebenen ausgebildet. Jeden Dienstag und Donnerstag gibt es bei der Turnhalle hinterm Restaurant Wienerberg um 14:00 Uhr ein kleines Fussballspielchen auf hohem Niveau. Die Verlierer werden dann in Reih und Glied aufgestellt und verhöhnend mit dem Ball abgeschossen. So real wie das Leben eben. So viel also tut der AC für uns. Aber was tun wir für ihn? Diese Frage sollten wir uns alle stellen. Denn es gibt nicht vieles auf dieser Welt, für das es sich zu kämpfen lohnt. Unsere Pflicht als guter Student, guter Bürger und als guter Mensch per se ist diesen Verein zu unterstützen, in guten wie in schlechten Zeiten. Mir bleibt auf jedenfall eines, und das ist mich bei Herrn Bentz für die angeregte Diskussion über die Vorzüge, Träume und Entwicklungen des AC’s zu bedanken. |