Sei mal Gatekeeper!
4. AUSGABE // 1. APRIL 2011 - Life@HSG
Geschrieben von: Sabine von Machwitz   

Sei mal Gatekeeper!

Sabine von Machwitz

 

istock_000015203174largeAlle an der HSG klagen immer über schrecklichen Berufsaussichten. Berater, Banker – in jedem Fall fürchterlich langweilig und eintönig. Besonders die Frauen müssen leiden. Ist nicht ihr Traumberuf eher Store-Manager des LV & Hermes Laden auf der Bahnhofstrasse? Oder gar eine aussichtsreiche Position in der Kunstwelt. Denn Kunst ist schön, sexy und – ja – stilvoll. Welche Rolle könnte also eine junge Dame in der Kunst annehmen? Nun, zu allererst wohl die einer Gallerina.

Gallerinas sind die eigentlichen Helden der Kunstwelt, die einzigen echten Gatekeepers zum Kunstmarkt, im ganz sprichwörtlichen Sinne sogar. Sie sind so etwas wie die Models von Abercrombie am Eingang zu deren Stores, Repräsentanten der gehobenen Stilkunst oder Angsteinjagende Hexen, die die Türschwelle zur Galerie noch grösser erscheinen lassen. Ihr Name kommt nicht von ungefähr: in einem Frauenschmöker mit dem vielsagenden Titel: „Lulu meets god and doubts him“ wurde die Rolle der Gallerina verewigt. Wer dieses Buch nicht kennt, dem sei auf andere Weise geholfen: Charlotte York (ja genau, die aus „Sex and the City“) war auch mal eine Gallerina.

Gemeinsam ist ihnen allen ihre Ausbildung: Wie auch Charlotte aus SAC sind sie heute alle ausgestattet mit einem Diplom in Kunstgeschichte oder Philosophie. Wer richtig viel auf sich hält und noch genügend Geld hat besucht ein Seminar bei Christie’s oder Sothebys in London. Das freut dann die Eltern der Gallerinas, denn sie können stolz behaupten, dass ihre Tochter einen „Master“ in London macht. Dass der viel Geld kostet und nichts bringt ist dabei nur Nebensache.

Apropos Geld: Gallerinas sind hoffnungslos unterbezahlt und meist ohne grosse Kompetenzen. Viel schlimmer aber wiegt noch ihr Irrglaube, dass sie nun den Einstieg in eine blendende Karriere im Kunstmarkt geschafft haben. Richtig ist: Viele bleiben auf dem gleichen Level und ändern nur ihren Nachnamen. Und es kommt noch härter: In einer Welt in der Kunst, Fashion und Celebrity irgendwie ineinandergreifen zählt Aussehen mehr als Kompetenz. Da überrascht es nicht, dass mittlerweile Galerien ihre Gallerinas nicht mehr nach Fähigkeit, sondern nach dem Erscheinungsbild auswählt. Ein „Gagosian Girl“ ist Business-like angezogen, mit schwarzem Hosenanzug, meist glatten Haaren und festem Händedruck. Style: Business Girl.

Kein Wunder also, dass Gallerinas irgendwann frustriert sind. Aber siehe da – neue Möglichkeiten tun sich für ihre Zukunftsplanung auf: Sie wollen heiraten, heute oder morgen, ganz gleich, auf jeden Fall „heiraten“. Wenn Ralph Karg die HSG als riesen Heiratsmarkt bezeichnet, dann kennt er die Kunstwelt nicht. Er würde auf die Knie fallen ob es riesen Überangebots. Bestätigen kann das jeder smarte HSG-Absolvent, der drauf gekommen ist, dass man gute Frauen nicht mehr in Klubs findet. „It’s the gallery, sport!“ wusste auch schon Gordon Gekko.

Was lernen wir nun daraus: Liebe Frauen, überlasst das mit der Kunst den Kunsthistorikerinnen. Werdet Manager. Und Jungs: Gordon hat immer recht!