AustralIa – No Worries Mate!
4. AUSGABE // 1. APRIL 2011 - Life@HSG
Geschrieben von: Nikolaus Paumgartner   

 

Australia – No Worries Mate!

life@hSG

 

beach


Australien – das ist das Land der Kängurus, Koalas, schönen Strände, des Reisens, Goon, Flip Flops, der Sorgenfreiheit, der netten Menschen, des Nacktseins, des teuren Alkohols und meines Austauschs. Um noch einmal ganz von vorne anzufangen: Da St. Gallen mit seinem Ambiente nicht zu den «Hot Spots» der Welt gehört, entschloss ich mich wie geschätzte 99,9% der Uni einen Austausch zu machen. Aussichten auf ein Leben im Paradies haben mich dann bewogen, mich für Australien zu bewerben. Gelandet bin ich schliesslich an der University of Western Australia in Perth, das sich an der Westküste befindet. Das bedeutete zwar nicht die Weltbekannte Ostküste inklusive Sydney, Great Barrier Reef und Surfers Paradise, aber immerhin war es «Down under».


Soviel zur Vorgeschichte. begrüsst wurde ich dann in Australien von viel zu winterlichen Temperaturen. Am Abend meiner Ankunft hatte es 8 Grad Celsius – zum Glück über null. Da ich australien bisher nur von Wüstenbildern kannte, war das ein derartiger Schock, dass ich sofort begann, an meinem auserwählten Ziel zu zweifeln. Es stelle sich allerdings im nachhinein heraus, dass dies eine der wenigen schlechten Erfahrungen werden sollte. Positiv war vor allem, dass ich in einem von der Universität bereitgestellten gratis Taxi, in meine Unterkunft gebracht wurde. Ich durfte von nun an gleich neben dem Campus in einer der Student Halls wohnen. Dieses hiess Trinity und galt eigentlich als christlich, wovon ich aber in den nächsten vier Monaten nichts mitbekommen sollte, ganz im gegenteil sogar.

 

Am nächsten Tag ging dann sofort der Uni Alltag los. Als ich das erste Mal den Campus betrat, war ich von der Schönheit überwältigt. Die University of Western Australia ist möglicherweise die schönste Universität der Welt. Direkt am Swan River gelegen, kann man in den Pausen sogar am Strand liegen. Überall gibt es Palmen und man begegnet ständig Papageien und sogar Pfauen. Überraschend war nur, dass man beim betrachten der Mitstudenten anfangs glaubte, man wäre in Asien gelandet. Schnell wurde ich allerdings aufgeklärt, das Bildung das drittgrösste Exportprodukt Australiens sei. Die Universitäten sind daher stark von internationalen Studenten und dabei vor allem von Asiaten bevölkert. Vom Niveau her kann die uWa nicht mit der Hsg mithalten (worauf wir ja auch ehrlich gesagt auch hoffen, wenn es in den austausch geht). Allerdings wird hier das Wort Dienstleistung noch gross geschrieben. Die Vorlesungen gibt es Online, folien werden am Anfang der Stunde als Ausdruck ausgeteilt und man kann problemlos Kurse wechseln. Lästig waren nur die ständigen Assignments.


Aber kommen wir zu den wichtigeren Dingen des Lebens. Wer nach australien geht, lässt sich natürlich auch zwangseise auf wunderbare Landschaften und perfekte Strände ein. In diesem Punkt ist Perth mehr als nur empfehlenswert. Innerhalb von 30 Minuten ist man mit dem Bus an einem der beeindruckendsten Strände, die man jemals gesehen hat. Von St. Gallen nur dichten nebel gewohnt, war es eine der besten Nebeneffekte meines Austausches soviel zeit wie möglich an paradiesischen Stränden zu verbringen. Dazu kommt natürlich auch noch Surfen, das man unbedingt mal ausprobieren sollte. Überhaupt scheint Sport eines der wichtigsten Dinge im Leben eines Australiers zu sein. Cricket, Aussie Football, Rugby, Joggen und Leichtathletik – der Australier macht eigentlich alles gleichzeitig.

 

Einen weiteren Schock erlebte ich, als ich mich das erste Mal in einen Liquor-Store begab. Die Preise waren sogar im Vergleich zu schweizer Verhältnissen horrend. Doch schon bald wurde ich auch hier aufgeklärt: beliebtestes und einzig bezahlbares getränk unter australischen Studenten ist nämlich Goon. Dies ist eine art Wein und wird in 4 Liter Säcken inklusive Zapfhahn verkauft, weshalb er praktisch überallhin mitgebracht werden kann. Feiern in Australien war allgemein gewöhnungsbedürftig. In Klubs geht man hier spätestens um 10 Uhr und unter der Woche wird schon um 12 Uhr geschlossen. Diejenigen, die etwas zu viel Alkohol erwischt haben, werden sogar von den Türstehern hinausgeworfen. Völlig egal ist, was man trägt, nur die Schuhe müssen aus Leder sein, sonst gibt es keinen Einlass. Wer nicht auf Disco-Popartige Musik steht, ist überhaupt fehl am Platze in der australischen Klubszene. Hervorzuheben sei hier aber der einfallsreichtum der Australier. Da Montag allgemein Arbeitstag ist und man da ja wieder fit sein will, wird Sonntags schon um 1 Uhr mittags zu trinken begonnen und um 12 konsequent aufgehört. Das ganze wird «Sunday Session» genannt und ist, da es meistens in einer der zahlreichen Strandbars stattfindet ein einzigartiges erlebnis.


Abschliessen möchte ich hier mit der Lebensart der Australier. Diese sind wahrscheinlich die nettesten Menschen der Welt. Freunde findet man sofort, da man überall herzlich begrüsst wird. Wer auf Haute Couture und übertriebene Etikette steht, sollte australien allerdings meiden. Mit Hsg-Kleidungsstil und als passionierter Hemdträger nach Perth gekommen, stellte ich bald meine gewohnheiten um. Gegen Ende meines Austauschs war auch ich nur noch überall in Badehose und Flip Flops, dem Lieblingsbekleidungsstück der Australier, anzutreffen. Auch die Lockerheit ist ansteckend. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich «No Worries Mate» zu meiner Lieblingsphrase. Ausserdem wird man mit jeder Menge seltsamer, aber lustiger Rituale konfrontiert. So war es an der uWa als männlicher Student Pflicht seine Hose herunterzulassen, sobald ein bestimmter Song gespielt wurde. Nacktes Herumlaufen war hierzulande überhaupt keine seltenheit. Auch eine Rallye, die sehr an die weltberühmte aC-rallye erinnerte, allerdings noch tatsächlich mit Autos stattfindet, wird in meiner Student-Hall jährlich abgehalten. Auch wenn die Zeit nahezu perfekt war, nimmt man allerdings doch die erkenntnis mit, dass man in Europa wohl doch auf dem besten Kontinent wohnt. Nach einem halben Jahr Australien stellt man nämlich fest, dass es im Leben mehr als nur Goon, Sport und Strände gibt.