| CEMS – ElIteprogramm Oder Luftnummer? |
| 4. AUSGABE // 1. APRIL 2011 - Politics@HSG |
| Geschrieben von: Sabine Erhart |
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Der Doppelabschluss CEMS ist unter Studenten aller Teilnehmenden Universitäten sehr beliebt. Das Financial Times Ranking führt das CEMS Programm mittlerweile auf dem ersten Platz der Management Master Programme. Doch was steckt wirklich hinter dem Programm? Ist der Hype berechtigt? Sabine hat den CEMS Master absolviert und möchte hier ihre Meinung darlegen.
Ich möchte es gleich vorwegnehmen. Ich war teil des CEMS Programms und war nicht überzeugt. Sich selbst sieht die CEMS Allianz als eine Art Elite-Programm zur Ausbildung von zukünftigen Führungskräften. Grundsätzlich ist CEMS jedoch nichts anderes als ein Pflichtaustausch an eine der Partneruniversitäten der Allianz, kombiniert mit einem grob harmonisierten Kursprogramm. Dieses Kursprogramm besteht hauptsächlich aus ganz normalen BWL Kursen, denen das Kürzel «International» zugefügt wird. So wird aus «Marketing» ein fach namens «internationales Marketing» und aus «Change Management» wird «international Change Management». Die Kurse sollen den studenten eine gründliche BWL-Ausbildung mit internationaler Perspektive vermitteln und der Austausch soll die interkulturellen Fähigkeiten stärken. Doch gerade der Austausch verfehlt sein Ziel besonders gründlich. CEMS Studenten lernen ihr Gastland nur selten über die Typischen Klischees hinaus kennen. Dafür fehlt einerseits die Zeit und andererseits der Wille. So bleiben die CEMS Studenten an ihren jeweiligen Gastuniversitäten meistens unter sich, sprechen ausschliesslich englisch und bleiben in ihrer Kultur der belanglosigkeit gefangen. Dies ist ganz besonders ärgerlich, denn eine zukünftige Führungskraft sollte lernen in einem komplett anderen Umfeld zu arbeiten.
Häufig wird der netzwerk gedanke beim CEMS Programm hervorgehoben. Dabei wird vergessen, dass sich diese sehr internationalen Netzwerke, die man kurzfristig aufbaut, kaum pflegen lassen und schon nach kurzer Zeit verwaisen. Für die meisten Absolventen sind lokale und nationale Netzwerke viel hilfreicher als jedes internationale Netzwerk. Hinzu kommt, dass die wenigen Monate, die CEMS Studenten an ihrer Gastuniversität verbringen einfach nicht ausreichend sind um echte Freundschaften zu schliessen. Die entwicklung von Freundschaften benötigt Zeit und die ist im strengen CEMS Kalender bedauerlicherweise nicht vorgesehen. Ärgerlich sind auch die ungerechtigkeiten im Notensystem. Es ist einfach nicht vertretbar, dass an einigen Universitäten bestnoten fast unmöglich zu erreichen sind, während an anderen CEMS Universitäten es normal ist diese zu erreichen.
Es hört sich jetzt vielleicht zu sehr an, als ob ich das CEMS Programm überhaupt nicht genossen hätte, doch das stimmt nicht. Vieles hat Spass gemacht, mehrere Unterhaltungen waren interessant und in einigen Kursen hat man auch etwas gelernt. Doch fFhrungspersönlichkeiten und echte Typen, habe ich im CEMS Programm vergeblich gesucht. Ein zynischer Dozent an meiner gastuniversität bezeichnete CEMS Absolventen einmal als «billige Fabrikware für das untere und mittlere Management. Kleine Rädchen im Getriebe, die verlässlich ihrer Arbeit nachgehen.» aber warum auch nicht. Schliesslich sind auch die kleinen Rädchen für eine Maschine unerlässlich und irgendwo müssen sie ja hergestellt werden. Doch CEMS als Eliteprogramm zu bezeichnen geht zu weit, denn eliteschmieden produzieren keine Billigware.
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