| Hin zu eigenen Unternehmen |
| 4. AUSGABE // 1. APRIL 2011 - Entrepreneurship@HSG |
| Geschrieben von: Jasper von Hardenberg |
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Gaudenz Biveroni ist mit Sicherheit nicht der typische HSG-Absolvent. Nach Beendigung seines Bachelors in Internationalen Beziehungen begann er seine Karriere im Management Consulting, entwickelte sich weiter im Bereich Personalberatung & Talent Management und gründete nun sein eigenes Unternehmen.
Darauf kann ich nicht wirklich eine qualifizierte Antwort geben, denn was für mich stimmt, trifft auf viele andere nicht zu. Als ich 2005 an der der Uni abgeschlossen habe, wusste man noch nicht so recht, wie man den Karriereeinstieg im Hinblick auf das Bologna-System gestalten sollte. Die Meinungen von Arbeitgebern gingen und gehen Heute noch bezüglich des Abschlusses stark auseinander. Einige Unternehmen stellen Heute Bachelor-Absolventen ein, schicken sie jedoch später an eine MBA-Schule. Das ist sicherlich eine interessante Lösung. Was aber auf jeden Fall sehr viel Sinn macht - und von den meisten Alumni empfohlen wird-, ist sich Praxiserfahrung nach dem Bachelor anzueignen, bevor man den Masterstudiengang beginnt.
Warum hast Du Internationale Beziehungen studiert? ich bin nach dem Ausschlussprinzip vorgegangen. Internationale Beziehungen war das fach, das mich am meisten interessierte. Was ich daran geschätzt habe, war die Förderung des vernetzten Denkens und die komplexen Zusammenhänge und was mir ganz klar gefehlt hat, war der Praxisbezug. Die Praxis habe ich mir dann auf extracurricularem Wege angeeignet. Spannend dabei ist, dass mir genau diese Praxiserfahrung und die damit verbundenen Soft Skills im späteren Berufseinstieg viel mehr genützt haben, als der Studiumsinhalt. Aber natürlich muss ich an dieser stelle erwähnen, dass der IA-Studiengang auch nicht darauf abzielt, angehende Berater auszubilden. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass die Curricula in den Bereichen Praxisbezug und Sozialkompetenz unbedingt angepasst werden müssen, um die Studierenden besser auf den Berufseinstieg vorzubereiten. aber um die Antwort abzurunden; wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, hätte ich am liebsten einen Studiengang im bereich Entrepreneurship besucht. Du bist in der Personalberatung bzw. im «Search» tätig, das ist ja nicht eine der klassischen Branchen, in denen ein Hsgler arbeiten möchte. Die meisten entscheiden sich eher für Consulting oder Investment Banking.
Warum die Personalberatung? Ich habe natürlich auch genau zu denen gehört, die in die Beratung wollten, was ich dann ja auch tat. Aber dies Geschah weniger aus überzeugung, als vielmehr Mangels Inspiration und Ideen betreffend Alternativen – und dafür schäme ich mich im nachhinein sehr. Ich hätte mich einerseits besser informieren sollen, aber andererseits ist es auch schwierig etwas zu suchen, das man nicht kennt. Die Sllokation von jungen Talenten ist schwierig und funktioniert sehr schlecht, man ist fast etwas den 100 grössten. Unternehmen, die jedes Jahr am Forum HSG bzw. an der HSG Talents Conference teilnehmen, ausgeliefert. Durch mein intensives Engagement bei AIESEC wurde mir klar, dass ich später auf jeden Fall irgendwie ins «People Business» wollte, also Talent Management, Coaching oder People Development. Aber wie gesagt hatte ich aufgrund meiner Scheuklappenperspektive zuerst im bereich Management Consulting begonnen. Was mich schliesslich dazu bewogen hat, mich in eine andere Richtung zu bewegen, war die Tatsache, dass ich regelmässig einen Schritt zurück machte und mich fragte, ob das, was ich tue, dass «richtige» ist und ob ich in 5 Jahren zurückblicken und darauf stolz sein kann. Ich kenne viele, die keinen Spass an ihrer Arbeit haben und nur des Gehaltes wegen in ihrem Job weiterarbeiten. Ich glaube man lebt nur einmal und gerade Menschen wie wir, die in einem politisch sicheren und wirtschaftlich gesunden Umfeld mit einer top Ausbildung aufgewachsen sind, haben immer eine Wahl und sind in der Regel selbst Schuld wenn über längere Zeit unglücklich sind bei der Arbeit. Haben sich Deine Erwartungen an die Personalvermittlung erfüllt? Es ist noch etwas früh, um eine Bilanz zu ziehen, aber grundsätzlich ist es ein interessantes Geschäft. Jedoch bleibt die Lernkurve nicht sehr lange steil. Die Tätigkeit ist spannend, weil es direkt mit Menschen und deren Arbeit als ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens zu tun hat. Als Unternehmer ist das Personalwesen super spannend, aber als Angestellter muss man bei der Auswahl des Arbeitgebers sehr vorsichtig sein, denn die Professionalität und Qualität von Personalberatungen variiert enorm. In meinem Fall stand ich vor der Entscheidung, mich entweder in die Richtung Talent Management und Coaching weiterzuentwickeln oder dann eben selbständig zu werden und neue Geschäftsideen und -Praktiken im Bereich der Personalvermittlung umzusetzen. Ein Unternehmen zu gründen ist eine ganz besondere Herausforderung. Ab wann wusstest Du, dass Du selbstständig sein möchtest? Das war kein bewusster Entscheid. Eine meiner Eigenschaften ist es, den Status Quo immer konstruktiv-kritisch zu hinterfragen. Egal wo ich mich befinde und was ich tue; ich überlege immer, ob ich das gut finde, warum etwas so gemacht wird und nicht anders und ob man etwas verbessern könnte. Ich nehme auch nichts als selbstverständlich hin, sondern schätze die Dinge für das was sie sind – oder eben nicht sind. Es war mir bisher nicht bewusst, aber wenn ich zurückblicke, realisiere ich, dass es immer «unternehmerische» Komponenten in meinem leben gab. Das hat schon im Kindergarten begonnen, als ich mit meinem damaligen Kollegen in einem Quartier schöne Steine, die wir im naheliegenden Bach gefunden haben, an die Nachbarn verkauften. als wir gemerkt haben, dass diese unsere steine nur sehr spärlich und aus Goodwill kauften, haben wir uns entschlossen, unseren Stand vor dem Volg (kleines Lebensmittelgeschäft) aufzubauen. U.a. habe ich in meiner schulzeit einen Inline-Hockey Verein mitgegründet mit dem wir den 8. Platz der schweizer Meisterschaft erreichten und während meines Auslandpraktikums in Guatemala haben wir ein Unternehmen im Bereich Web2.0 gegründet um Studierende mit Unternehmen zusammenzubringen. Der Weg in die Selbständigkeit zu werden war also kein bewusster Entscheid; es hat sich ergeben. Gab es irgendwelche Rückschläge auf dem Weg in die Selbstständigkeit? Ja, das eben genannte Unternehmen. Ich lies im Jahre 2005 während meines Auslandpraktika in Guatemala eine social online Plattform entwickeln – der Stundenansatz eines entwicklers kostet da einen Bruchteil dessen was es in der Schweiz kosten würde. Wir hatten zwar ein solides Konzept und ein gutes Benutzerverständnis, aber leider nicht das notwendige IT-Wissen im Kernteam. Das beauftragte IT-Unternehmen unterschätzte die Entwicklungsarbeit signifikant und das Projekt verzögerte sich so sehr, dass mir die Zeit ausging und ich zurück in die Schweiz musste, um mein Studium abzuschliessen. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Projekt einem Freund zu übergeben – gegen ein Paar Aktien seines Unternehmens. Das hat mir gelernt, dass es ein Risiko ist, wenn man ein Unternehmen gründet, aber die Materie nicht bis ins Detail richtig versteht. Young & Professional, unser aktuelles Unternehmen, läuft gut an, aber ich möchte auch anmerken, dass «Rückschläge» auch immer sehr relativ sind. Schlussendlich ist alles an die eigenen Erwartungen gebunden. Je nach gesetzten Zielen kann eine Erfolgsquote von 10% als Überraschend gut oder als Niederschmetternd empfunden werden. So ganz grob über den Daumen gepeilt ist im Durchschnitt 1 einheit aus 10 erfolgreich; zum Beispiel 1 Anruf von 10 führt zu einem Kundenmeeting, 1 von 10 Meetings führt zu einem auftrag, und so weiter. Mein Mentor sagte dazu immer: «life is a numbers game.»
Es heisst oft, dass man als Berater wenig Privatleben hat, als Investmentbanker sehr wenig und als Selbstständiger gar keines. Kannst Du das bestätigen? Es ist richtig, dass man als Selbstständiger sehr viel arbeitet, aber es fühlt sich deutlich besser an, als wenn man Angestellt ist und für Jemand anders arbeitet. Das besondere an der Selbstständigkeit ist, dass man das Privatleben zum Job machen kann. Ich selber bin zum Beispiel ein sehr geselliger Mensch und Leidenschaftlicher Networker. Früher musste ich das immer abends oder am Wochenende machen. Jetzt ist Networking fester Bestandteil meiner Arbeit und das Treffen und Kennenlernen von neuen Leuten -Kandidatenwie auch Kunden- ist super spannend und inspirierend. Ich arbeite zwar teilweise bis spät in die Nacht, aber da ich direkt verantwortlich für mein Unternehmen bin, empfinde ich dies nicht als last. Wenn ich verheiratet wäre und Kinder hätte sähe das möglicherweise etwas anders aus, aber zurzeit läuft es gut so. Was würdest Du einem HSG-Studenten empfehlen, der eine Geschäftsidee hat und sich fragt, ob er jetzt direkt ein Unternehmen gründen soll oder doch vorher erst erfahrung im Berufsleben sammeln? Generell gilt: früh übt sich. Falls man im Studium eine gute Idee hat und die Mittel sie umzusetzen, dann sollte man das tun. Man wird niemals mehr so viel Zeit haben wie während des Studiums. Ideal ist es, wenn man im Studium etwas gründet und beim Abschluss läuft es so gut, dass man davon leben kann. Direkt nach dem Abschluss etwas zu gründen halte ich für suboptimal, denn es kann immer sein, dass es nicht funktioniert. Später sitzt man dann in einem Vorstellungsgespräch, und zwar nicht nur aus Interesse, sondern vor allem weil Plan A nicht funktioniert hat – und das weiss dann in der Regel auch der Interviewpartner. Bedauerlicherweise wird eine misslungene Unternehmensgründung in der Schweiz nicht so positiv aufgenommen wie in den USA, wo das Unternehmerische hoch gewertet wird – auch im Falle des Scheiterns. zusätzlich ist professionelle Erfahrung sehr nützlich. Selbst ein bis zwei Jahre Berufserfahrung machen schon einen grossen Unterschied aus und können einen späteren Unternehmensstart begünstigen. ich denke da vor allem an den professionellen Umgang mitKunden – etwas das man im Studium nicht lernt.
Möchtest Du unseren Lesern noch irgendetwas mitteilen? Ja, ich möchte allen Lesern empfehlen, sich auf Youtube die «Stanford Commencement Speech» von Steve Jobs aus dem Jahr 2005 anzuschauen. Das ist eine der inspirierendsten Reden, die ich je gehört habe. Sie ist auch nur 15 Minuten lang und auf jeden falls eine hervorragende Investition.
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